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Norbert 60

 

Aus dem blühenden Kulturleben von Irgendwo

 

Neulich kam es bei uns in Irgendwo wieder zu einem Höhepunkt der bei uns heimischen Hochkultur. Norbert, mein alter Freund und Zahnarzt in der Gemeinde, wurde 60. Was das mit Hochkultur zu tun hat, will ich berichten.

 

Zu dem Ereignis unserer Hochkultur  kam es durch den selbstlosen Einsatz von Yvonne, der Frau von Norbert, die er als junger Mann aus dem Urlaub in Frankreich (sowie, wie sich bald zeigte, Jeanette, die damals noch sehr kleine Tochter) mitgebracht hat. Auf diese Weise hat Norbert auch die Völkerverständigung in unsere Gemeinde gebracht. Yvonne wurde mit der Zeit bei uns in Kultur tätig und hat sie in unserer Gemeinde – zusätzlich zum Bauernschwank, den die Freiwillige Feuerwehr  jedes Jahr im dann ausgeräumten Spritzenhaus zur Aufführung bringt – zur Hochblüte gebracht. Zuerst hat sie eine Kreativwerkstatt ins Leben gerufen. In dieser haben bei Kaffee und Kuchen als ehernem Bestandteil des Kulturschaffens eine Handvoll Frauen aus den besseren Kreisen von Irgendwo wöchentlich wunderschöne Lavalampen gebastelt. Schon bei diesem Tun – erst recht danach - zeigte sich der wunderbare Reichtum der deutschen Brauchtumspflege, die ein unauslöschlicher Grundpfeiler unserer nationalen Brauchtumspflege ist. Als mit der Zeit die gehobenen Einfamilienhäuser der kreativen Frauen mit Lavalampen überreichlich ausgestattet waren, kam die Kreativwerkstatt in die Krise. Diese wurde dadurch gelöst, dass die Kreativwerkstatt in einen Kulturverein umgewandelt wurde. Yvonne wurde die geborene Vorsitzende, unser Bürgermeister der stellvertretende Vorsitzende und Norbert wurde zum Schatzmeister berufen. In dieser ehrenvollen Position bezahlt er, wie zuvor in der Kreativwerkstatt, wöchentlich den Kaffee und Kuchen für die Künstlerinnen, wie sich die Frauen seit der Gründung des Kulturvereins nennen. Nunmehr ist Schluss mit den Lavalampen, die Künstlerinnen haben sich dem Aquarell auf französische Art zugewandt, zu dem sie Yvonne, die geborene Französin, anleitet. So viel zum Hintergrund des heutigen Berichts. Ich habe etwas weiter ausgeholt, weil das mit unserem Kulturleben in Irgendwo ziemlich   kompliziert ist.

Nun aber zum Verlauf des Ereignisses als Mittelpunkt meines Berichts.

 

Yvonne als Vorsitzende des Kulturvereins hat das Ereignis der Hochkultur von Norberts 60. Wiegenfest im Festsaal der  „Linde“, der 60 Personen Platz bietet, organisiert.

Um die  festliche Verankerung des Kulturkreises unter dem Vorsitz von Yvonne in unserer Gemeinde zu stärken, nahm der Bürgermeister, der stellvertretende Vorsitzende, den runden Geburtstag von Norbert zum Anlass, er ließ vom Bauhof die für besondere Anlässe vorgesehenen 2 Lorbeerbäume und das Rednerpult aus dem Rathaus zur „Linde“ bringen. Mit dieser Maßnahme fand das Ereignis einen sehr festlichen Rahmen.

Dann kam der Abend selbst.

 

Der Festsaal der „Linde“, voll gespannter Erwartung, aber die Stimmung noch nicht am Sieden, war bis auf den letzten Platz besetzt. Der Räuschle Sepp, der Wirt der „Linde“, rieb sich die Hände. Schon beim Eintreffen von Norbert drückte er ihm beide Hände, gratulierte mit ausgewählten Worten, wie er sie sonst nur bei Hochzeitsfeiern und Leichenimbissen in der „Linde“ verwendet; ehrlich meinte er zu Norbert: „Du solltest jedes Jahr zweimal 60. Geburtstag feiern!“

In der ersten Reihe saßen neben dem Bürgermeister in der Mitte Norbert, Yvonne und Jeanette, daran anschließend nach der Rangordnung von Irgendwo der Hauptkommandant der Freiwilligen Feuerwehr, der Hochwürden Hilarius, die elf Vorsitzenden der anderen Vereine unserer Gemeinde und der Vikar Tuntig.

 

Die Trachtenkapelle verdiente sich ihr Freibier (das Norbert freiwillig spendierte), indem sie feierlich in die kulturelle Festlichkeit durch das Abspielen von Perlen der bei uns heimischen Hochkultur einleitete.  Sie intonierte Norberts unverwüstliche Lieblingsmelodien, die auch bei den Heimatabenden in Irgendwo großen Anklang finden und eine Bombenstimmung aufkommen lassen. Unter der bewährten Stabführung ihres langjährigen Dirigenten, dem Hamann Egon, kam es so zu den ersten Höhepunkten. Zuerst ertönte der Radetzky-Marsch, der Jung und Alt erfreute. Dann kam das  Badnerlied. Norbert hat diese Tradition so gern wie von Parodontose befallene Zähne. Pro Jahr zwei raus, ruck – zuck, schon ist neuer Platz für zwei weitere Implantate. Der ganze Saal sprang auf und sang aus voller Kehle mit. Das war sehr beeindruckend. Ein solches Kulturereignis gibt es nur in  Irgendwo. Mit den letzten Takten brandete rauschender Beifall  auf, er steigerte sich bis er frenetisch genannt werden konnte, den sich unsere Trachtenkapelle infolge ihrer beseelten Darbietung voll verdient hatte. Danach setzte sich das Publikum wieder und bot dem Räuschle Sepp die Gelegenheit, vor der Rede unseres langjährigen Bürgermeisters die nächste Runde zu servieren.

 

Mit gemessenen Schritten, wie sie hohen Kulturereignissen angemessen sind, schritt der langjährige Bürgermeister unserer unbeschreiblichen Gemeinde zum Rednerpult zwischen den beiden Lorbeerbäumen, um erneut einen „unvergesslichen Beitrag zum geistigen Erbe des Abendlandes“, schrieb unsere Heimatzeitung in einem Bericht, zu leisten. Er räusperte sich zweimal, klopfte mehrmals an das Mikrofon und fing mit seiner Rede an, als es mehrmals dong, dong aus den Lautsprechern machte.

 

„Lieber Norbert, heute an Deinem Ehrenfest darf ich Dich herzlich begrüße und im Namen unserer Gemeinde beglückwünsche und Dir alles Gute wünsche. An Deiner Seite sitzt Deine liebe Gattin Yvonne, wo die Vorsitzende der Kultur in unserer Gemeinde isch und die Tochter Jeanette, wo sich nicht hat nehme lasse, aus weiter Ferne herbeizueilen, um Dir nachher ein Gedicht vorzutragen. Ferner gilt meine Begrüßung dem Hauptkommandanten unserer Freiwilligen Feuerwehr, unserem bewährten Edmund Huber, sowie den übrigen Vorsitzenden der Vereine und alle Gäschd, wo gekommen seid.

Lieber Norbert, an dieser Stelle darf ich Dir mal den Dank der Gemeinde aussprechen, dass es Dich bei und gibt. Ohne Deine selbstlose Bereitschaft, Deine zahnärztliche Kunschd unseren faulen Zähnen zu widmen, müssten wir immer in die Kreisstadt gehen, weil dort noch ein Zahnarzt isch. Das wär schlimm, weil der Kerl in der SPD isch. Ein anständiger Christenmensch legt so einem nicht seinen Krankenschein auf den Tisch. So sind wir unserem Herrgott dankbar, das wir Dich zu uns zähle dürfe.

Vom Gemeinderat darf ich Dir eine Urkunde zu Deinem runden Wiegenfeschd überreiche.

So könne wir heut ein frohes Fest begehe, zu dem ich ein gutes Gelinge wünsche darf.“

 

Mit seiner Rede hatte der Bürgermeister tief die Gemüter der Festgesellschaft berührt.

Der Marsch „Alte Kameraden“, dargeboten von der Trachtenkapelle begleitete unseren Bürgermeister auf dem Weg zu seinem Stuhl und Jeanette zum Rednerpult, an dem sie ein selbstverfasstes Gedicht zu Ehren ihres Vaters zum Besten gab. Mit fester Stimme trug sie vor:

 

„Lieber Papa,

 

zu Deinem runden 60. Wiegenfeste

wünsche ich Dir viel Gesundheit und auch sonst das Beste.

An deren Spitze steht das Eine,

viel Erfolg beim Sammeln von Krankenscheine.“

 

Brausender Applaus belohnte diese wohlgesetzten Worte.  Aber Jeanette war noch nicht am Ende, Norbert bekam noch weiter sein Fett weg.

 

„Lieber Papa, ich wünsche Dir auch,

dass nicht noch dicker werde Dein Bauch.

Lieber Norbert ich sage Dir,

das dicke Ding kommt vom vielen Bier.

Vom vielen Besuch beim Lindenwirt Räuschle,

bekamst Du manches Räuschle

und dazu Dein dickes Bäuchle.

 

Auf diesem hohen Kulturniveau dichtete Jeanette noch viele Strophen weiter. Dadurch erreichte der Festsaal der „Linde“ seinen Siedepunkt. Eine wahre Strapaze für die Lachmuskeln der Gäste von Norbert, die ein ums andere Mal in stürmische Begeisterung ausbrachen, die die Zwerchfelle erschütterte. Schließlich kam Jeanette ans Ende.

 

„Jetzt will ich nicht mehr viel sagen,

denn es knurrt mein hungriger Magen.

Doch bald ist er sehr erbaut,

zu Papas Freude gibt’s beim Räuschle Schlachtplatt und Sauerkraut.“

 

Damit endete Jeanette. Zum gemütlichen Teil des Abends wurde die Ehrenstuhlreihe nach dem offiziellen Teil weggeräumt und die dort aufgereihten Honoratioren verteilten sich an die Tische, an denen ihnen ein Platz reserviert war.

 

Wieder hatte Irgendwo eine blühende Hochkultur erlebt.

4.8.12 11:07
 
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