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Harry Weltstar

 

EIN ABEND MIT COMEDY

 

Der Sänger auf die Bühne trat,
Schlicht, ohne sich zu rühmen.
Ein Hauch von Bier und Fleischsalat
Verlor sich in Parfümen.

(Joachim Ringelnatz)

 

Ich berichte aus einer kürzlich vergangenen Zeit, denn es geschah an einem dieser trüben Sonntage im Advent. Weshalb weiß ich nicht, aber es blieb in  meiner Erinnerung, wie so manches. Beim Frühstück zündete ich den Adventskranz  an. Er brannte schön, aber das vertrieb nicht meine Eintrübung. Da raffte ich mich auf, rief bei unserer Mehrzweckhalle an, denn ich hatte soeben beschlossen, zu meiner Erheiterung einen als Kabarett auf höchstem Niveau angekündigten aus Funk und Fernsehen sehr bekannten deutschen Comedystar – auf Weltniveau, versicherte die Werbung -, der am Abend in der städtischen Mehrzweckhalle zur Aufführung gebracht wurde, zu besuchen. Das wurde auch sozusagen,  ähm, irgendwie total.

 

Gleich zu Beginn ging das Kabarett los. Der Comedystar Harry – einer der dauergrinsenden von der Quatschgilde, Quotenkönig beim TDF, stellte sich schnell heraus, seine angeborene Talentlosigkeit quoll ihm aus allen Poren gleich dem Besatz des Brusthaartupets aus dem geöffneten Hemd; trauriges Ergebnis eines dünnen Ejakulats - brachte bei den Zuschauern das Zwerchfell zum Erschüttern, als er ihm zu Gehör brachte, wie er versicherte, es sei ihm eine hohe Ehre und er freue sich auch, in dieser wunderschönen Mehrzweckhalle sein Bestes geben zu dürfen. Infolge dieses stimmungsgewaltigen Wortschatzes, den der Star am laufenden Band in geschliffener Sprache ablieferte, erreichte er durch seinen funkelnden Humor – zu dieser frühen Abendstunde noch oberhalb der Gürtellinie – spielend das angekündigte Weltniveau, das er den ganzen Abend über beibehielt. So führte das erschütterte Zwerchfell zudem zu heftigem Schenkelklopfen, welchem sich das Publikum restlos  hingab. So stand es im Bericht über das kulturelle Ereignis der Lokalzeitung. Was es in Deutschland nicht alles gibt.

Gleiches geschah bei der unheimlich tief gehenden Moritat – so urteilte der Blödmann seine Darbietung, gezeichnet von fäkebukischer Demenz, selbst, ich hatte den Eindruck, der eierlose Saftsack meinte das im Ernst – „Als ein Juchtenkäfer den Kapitalismus rette.“ Beim Erzählen verzog der Vortragende, weiß Gott warum, die Mundwinkel nach unten. Da brach mein Nachbar in dröhnendes Lachen aus. Ich fragte ihn besorgt, ob er o.k. sei. Zwischen seinem Japsen konnte ich ihn verstehen, dass der wahnsinnig witzige Quizmaster im Moment ganz doll Angela Merkel nachahme. Trotz dieser Belehrung über die stereometrische Darstellung von Angela Merkel konnte ich nicht lachen. Ich fand, dass mir nicht danach zumute war. Es erregte mich nicht.

Bald darauf ließen nicht enden wollende Lachsalven die Mehrzweckhalle in ihren Grundfesten erbeben. Der Comedystar erläuterte nämlich, er wolle jetzt mit satirischem Klartext seine beste Nummer zeigen. Er war endlich auf dem Niveau des Hodenkitzlers Mario Bath, dem Tittenfernsehen als Massenunkultur, angekommen. Er löste seinen Gürtel und ließ die Hosen, auch seine Unterhose, die mit Herzchen bedruckt war, runter. Durch diesen tollen Einfall, bekannt durch Funk, Fernsehen und viele Aufführungen von Faust und Hamlet in Stadttheatern, war als einer der Höhepunkte des Abends sein Schniedel zu sehen. Ein Vorzeigestück des Snobismus der Dummheit. Der war zwar das Übliche, hatte keine Weltextraklasse – nun, für 8,50 € kann man nicht mehr verlangen -, aber der Comedystar erklärte, mit dieser satirischen Kostbarkeit wolle er die Situation in unserer Überflussgesellschaft entlarven und hinterfragen; wir alle müssten den Gürtel enger schnallen. Der Schniedel des Comedian floss allerdings nicht über, das ist beim Unterwäsche- und Spermatheater unserer städtischen Bühnen, das sich Regietheater nennt, besser geregelt. Man  muss Verständnis dafür haben, die cortexreduzierten Dauergrinser vom Matschgewerbe führen keine Glanzstücke des Regietheaters mit seiner grenzdebilen Unterkomplexität auf. Sondern „kabarettistische“ Events. Seinen Gürtel schnallte er enger, nachdem er seine Unterhose und Hose hochgezogen hatte. Wie sich in diesem Augenblick zeigte, hatte sich die Darbietung des Besten Harrys, des Quotenkönigs vom ZDF, das er trefflich ins Scheinwerferlicht gestellt  getragen hatte, zu einem Härtetest für die Lachmuskeln entwickelt. Donnernder  Applaus belohnte diesen Mega-Auftritt vor einem restlos begeisterten Publikum, der sich zu einem Orkan steigerte, als der Comedystar mit seinem unerreichbaren, manchmal akrobatischen Wortwitz sein Publikum zu stehenden Ovulationen aufforderte. Eine grenzenlose Heiterkeit wie im Ballermann auf Mallorca breitete sich aus, so lacht der von digitaler Diarrhoe gezeichnete Teil der Bevölkerung bei seiner täglichen Verdummungsandacht vor der Matschscheibe. Das Publikum war nun total entfesselt, schrieb ein paar Tage später die Regionalzeitung in ihrer Beschreibung des Abends mit der Weltklasse. Die Zeitung begründete allerdings nicht ihr Urteil, wozu auch, sie bildet doch bloß.

So vergingen die knapp zwei Stunden wie im Flug. Zahllose funkelnde Diamanten deutschen Humors, teilweise mit seinen Banalsekreten auch die Zustände in unserer Gesellschaft mit seiner satirischen Ader und mit Augenzwinkern persiflierend, zwei Stunden unterbelichteten Geschwafels, hatte der  Comedystar Harry zur Aufführung gebracht. Die unvergesslichen Stunden des gelungenen Abends in unserer Mehrzweckhalle werden mir  in der Erinnerung bleiben.

25.8.12 11:10
 


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